Hallo zusammen!
Eine Woche ist nun seit meiner Teilnahme an dem Seminar Problemhundebrater in Hamburg vergangen.
Ich hatte etwas Zeit, alles was ich dort gelernt und aufgenommen habe zu verdauen und auch im normalen Leben anzuwenden.
Zunächst gestehe ich, dass ich das Seminar besucht habe, um meinen kleinen Angsthasen Mylo besser zu verstehen und ihm (und auch mir) ein besseres, stressfreieres Leben zu ermöglichen. In beruflicher Hinsicht will ich mich nicht in diese Richtung zu entwickeln.
Für all diejenigen, die sich für die Teilnahme an einem solchen Seminar interessieren, würde ich hier gern einen kleinen Erfahrungsbericht abgeben:
Das dreitägige Seminar startete mit zwei Theorietagen in angenehmer Hotelumgebung. Zwei Teilnehmer haben Ihre Hunde mitgebracht, so dass einiges an Themen auch gleich anschaulich umgesetzt werden konnte.
Vieles kann man am Anfang noch als fraglich ansehen. Themen wie Bestätigung durch Futter, ein Hund spielt nicht, Schwanzwedeln ist nicht gleich Freude sondern Konflikt und so vieles mehr, was auch hier im Forum diskutiert wird. Aber wenn man sozusagen live im Gespräch und direkt am Hund alles erklärt und bewiesen bekommt, ist es eine Erfahrung, die einen Staunen läßt.
Man stellt sein bisheriges Erziehungsprogramm des eigenen Hundes komplett in Frage und wundert sich auf einmal über viele Verhaltensweisen des eigenen Hundes nicht mehr. Na logisch dachte ich mir, denn warum sitze ich hier? Weil alles was ich bisher Erziehungstechnisch versucht habe umzusetzen, nicht geklappt hat. Ich bin die Fehlerquelle Nr. 1, denn ich verstehe es nicht, meinen Hund zu begreifen! Ich vermenschliche ihn, ich nehme an er hat die gleichen Emotionen wie ich, ich nehme an er hat überhaupt Emotionen!
Ich tüdele mit 100 verschiedenen Erziehungspraktiken gleichzeitig an ihm herum und wundere mich, warum nichts funktioniert.
Als erstes habe ich wirklich verstanden: Einfach mal die Klappe halten und den Hund nonverbal sich selbst, durch Futter, für positives Verhalten bestätigen lassen. Das klappt! In allen Situationen, wenn der Hund sich sicher sein kann, dass der Hundeführer der Chef im Team ist! Vorher war ich natürlich ein großer Verfechter gegen Belohnung durch Futter, denn wer will schon immer mit ´nem Beutel Wurst durch die Gegend laufen. Aber siehe da, es funktioniert und das Tolle, Futter darf auch irgendwann wieder abgebaut werden!
Es gibt so viele Beispiele, wo bereits in den Theorietagen die Bretter vor meinem Kopf abgefallen sind. Ich hatte mich natürlich bereits vorher hier im Forum durchgelesen und war der Meinung bereits vieles verstanden zu haben. Das Seminar jedoch war nochmal viel intensiver, denn es wurde auf einzelne Fragen eingegangen, anschaulich gezeigt, wann man sich wie verhalten soll, die vorhanden Hunde wurden als "Test" eingesetzt, genauso wie die teilnehmenden Menschen um bestimmte körpersprachliche Mittel zu veranschaulichen und das Problem zu zeigen.
Wir verhalten uns dem Hund gegenüber manchmal zu undeutlich, ja geradezu dämlich, das wir uns nicht wundern brauchen, dass er uns nicht versteht!
Das absolute Highlight war dann der Praxistag! Die meisten Teilnehmer hatten ihren Hund dabei und jeder konnte sich mit seinem Hund nochmal vorstellen und Problemverhalten schildern.
Natürlich wußte ich, dass das Hauptproblem meines Hundes in seiner absoluten Angst gegenüber allem lag: Geräusche, Menschen, Männer, Hände usw..
Ich stand dann vor der Gruppe und erzählte, mein Hund ist nicht leinenführig, zieht wie der Teufel, macht was er will, interessiert sich nicht für mich etc..
Als ob ich nicht in den letzten zwei Tagen gelernt hätte, das Mylo mich nicht als ordentliche Führungsperson ansieht und daher sämtliche Führung selber übernehmen MUSS!
Ich gebe zu, ich war aufgeregt, vor so vielen Leuten meine bisherige Unfähigkeit zu zeigen.
Es blieb natürlich nichts unentdeckt und bereits nach wenigen Sekunden wurde mir klar, dass ich wirklich nur Symptome zu korrigieren versuchte, aber nicht die Ursache beheben würde.
Nach einigen Minuten wurde mir Bewegungslegasthenie (richtig geschrieben?) bescheinigt, was ich nur unterschreiben kann!
Ich bin langsam, unentschlossen, achte zu wenig auf meinen Hund und seine Signale und inkonsequent bin ich auch noch.
Aber das Tolle: Ich war ja dort, damit mir gezeigt wird, wie ich es Richtig mache und das haben Gerhard und Conny dann auch ausführlich getan! Innerhalb von 20 Minuten habe ich soviel gelernt wie in den letzten drei Jahren nicht!
Und das Tollste: Es funktioniert!
Punkt 1: Mylo trägt seit einer Woche wieder ein Halsband, das Geschirr habe ich wieder weggelegt.
Punkt 2: "Gefährliche" Situationen werden nicht mehr gemieden sondern konsequent angesteuert. Er lernt durch meine Führung bzw. durch die positive Bestätigung (Klopfen/ Futter) das ich Herr der Situation bin und alles gar schlimm ist.
Punkt 3: Orientierung an mir ist da A und O. Ohne Blick zu mir und Lob gehts nicht weiter
Punkt 4: Das Thema Leinenführigkeit hat sich dadurch eigentlich schon fast von selbst erledigt. Leine ist Sicherheit für ihn und ich bin Sicherheit für ihn. Die Zieherei hat sich zu 90% bereits erledigt, eine Wohltat für meine Schulter!
Ich könnte noch viel mehr dazu schreiben, aber ich nehme an, das in Punkto Threadlänge hier schon fast den Rekord gebrochen habe
Ich möchte mich ganz herzlich bei Conny und Gerhard für das informative und absolut lehrreiche Seminar bedanken! Für mich und Mylo war das der Beginn in eine entspanntere Zukunft! Ich werde alles weiter erarbeiten müssen, ich bin ganz am Anfang aber der erste Schritt ist getan.
So viele Kritiker es ggf. auch geben mag, ich kann das was Ihr weitergebt und lehrt nur absolut unterstützen, denn es funktioniert nicht nur, es ist eine Wohltat für jeden Hundehalter zu sehen, dass der eigene Hund beginnt ein besseres Leben führen!
Vielen, vielen Dank und herzliche Grüße aus Hamburg!